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Windows-Hilfe und -Anleitungen

Vom PC zum Fernseher, Teil 1

Streamen von digitalen Medien in einen beliebigen Raum mit Windows Media Center und einer Xbox 360

Von Michael Stroh

Neulich trafen meine Schwiegereltern aus Japan zu einem lange erwarteten Besuch ein. Und was gehörte zu den wichtigsten Dingen, die es zu tun gab? Sich die neuesten digitalen Schnappschüsse und albernen Videos ihrer beiden kleinen Enkelkinder anzuschauen. Es folgte das wohl peinlichste Familienritual unserer Zeit: Wir alle quetschten uns in meinem Heimbüro um den Computerbildschirm herum, wo wir die nächste Stunde zubrachten.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann mir schönere Familienaktivitäten vorstellen, als es sich auf ein paar scharfkantigen Aktenschränken vor einem Computer gemütlich zu machen. Das Problem ist, dass ich einfach zu faul bin, um die unzähligen Bilder und Videos, die meinen PC füllen, auf DVDs zu übertragen – und zu knausrig, um extra einen Multimediacomputer für das Wohnzimmer anzuschaffen.

Allerdings tüftle ich seit neuestem an einer Möglichkeit, all die digitalen Schätze, die auf meinen Computer im Büro vor sich hin schlummern, aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und in allen Zimmern genießen zu können. Wie sich herausstellte, befand sich die Lösung des Geheimnisses längst unter dem Fernsehgerät: eine Xbox 360.

Ein Paradies für Couch-Potatoes

Bei "Xbox 360" denken die meisten Leute sofort an Videospiele, und das ganz zu Recht. Weniger bekannt ist, dass sich das Gerät mit Windows Media Center als Extender kombinieren lässt. Zugegeben, mit dem langweiligen Namen "Extender" wird Microsoft keinen Blumentopf gewinnen. Aber glauben Sie mir: Dieses Traumpaar wird jede Couch-Potato in Verzückung versetzen.

Media Center gibt es natürlich schon seit Jahren. Wenn Sie es seit Windows XP nicht mehr gesehen haben, machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst. Die Software, die so mancher Benutzer ohnehin schon als eines der attraktivsten Produkte des Unternehmens betrachtete, wurde für Windows Vista noch einmal gründlich aufgepeppt. Viele Leute sind völlig begeistert von den glasklaren neuen 3D-Grafiken in Windows Vista, aber ich finde, dass Media Center, das in Windows Vista Home Premium und Windows Vista Ultimate enthalten ist, dem Betriebssystem wahrhaftig die Schau stiehlt.

Musikbibliothek in Windows Media Center
In der Windows Media Center-Musikbibliothek werden Miniaturansichten der Albumcover für alle Musikstücke angezeigt.

"Wer es kennt, liebt es. Leider kennt es niemand", erklärt Dennis Morgan, bei Microsoft für die Arbeit an Media Center Extendern zuständiger Programm-Manager. Bevor ich mich daran machte, meinen eigenen Extender einzurichten, schaute ich bei Morgan und seinem Kollegen Jonathan Aroner vorbei und ließ mir eine kurze Einführung in das neue Media Center und die ergänzende Xbox 360 geben.

Die beiden arbeiten den ganzen Tag in Büros voll mit summenden Xbox-Konsolen, glänzenden Flachbildfernsehern, leistungsstarken PCs und streng geheimen Testprodukten. "Wo ist bloß die Fernbedienung?", murmelte Aroner und durchwühlte einen Stapel von Controllern, bei dem jedem echten Fan von technischen Spielereien Tränen in die Augen treten würden. Taschentuch, bitte.

Auf Sendung: Papa, ungeduscht

Was also kann Windows Media Center? Sehr viel, wie sich herausstellt.

Nach dem Einrichten der Software (dazu gleich mehr) haben Sie Zugriff auf elegante, ordentlich organisierte Miniaturansichten all Ihrer Bilder, Musikalben und Videos. Wenn Ihr PC mit einer TV-Tunerkarte ausgestattet ist, können Sie mit Media Center Live-TV-Sendungen anschauen und aufzeichnen, auch hochauflösende TV-Sendungen.

Es gibt zu viele tolle Features, als dass ich hier auf jedes eingehen könnte. Einer meiner persönlichen Favoriten ist die Media Center-Diashow. Mit seinem anpassbaren Soundtrack und den kinoreifen Schwenk- und Zoomeffekten verleiht dieses Feature selbst den banalsten Momenten des Familienlebens ("Guck mal, Papa mit verstrubbelten Haaren!") den professionellen Anstrich einer PBS-Dokumentation.

Das Beste an Media Center ist aber, dass digitale Medien vom PC über ein Heimnetzwerk an die Xbox 360 gestreamt werden können. Morgan erzählt, dass manche Leute die Xbox 360 sogar in erster Linie als Extender und erst in zweiter Linie als Spielekonsole kaufen. Nach der Vorführung überraschte mich das nicht mehr.

Xbox 360-Extender unterstützen die meisten gängigen Audio- und Videoformate, u. a. MP3, WMA und WMV. Manche werden aber auch nicht wiedergegeben, z. B. DivX und XviD. Außerdem kann Musik von Online-Musikabodiensten wie URGE, die kopiergeschützten Inhalt vermieten, verwaltet werden.

Der einzige wirkliche Nachteil von Extendern ist, dass es so wenige von ihnen gibt. Derzeit kann nur die Xbox 360 mit Media Center in Windows Vista verwendet werden. Morgan verspricht jedoch, dass an Alternativen bereits gearbeitet wird. Denkbar ist alles Mögliche, angefangen bei eigenständigen Set-Top-Boxen bis hin zu mit Extendern ausgestatteten DVD-Playern und Fernsehgeräten. Angebote von Drittanbietern werden für Weihnachten 2007 erwartet.

Verkabelt oder drahtlos?

Jetzt war ich an der Reihe. Windows Media Center mit einer Xbox 360 zu kombinieren, schien mir ein Kinderspiel zu sein. Das Schwierigste daran war die Entscheidung, wie die beiden Geräte miteinander verbunden werden sollten.

Die beste Lösung für ein störungsfreies Streaming wäre eine direkte Verbindung zwischen PC und Xbox 360 über ein Ethernet-Kabel. Leider sind die Wände in meiner Dreizimmerwohnung nicht mit Ethernet-Buchsen gespickt. Deshalb beschloss ich, zwei alternative Netzwerktechnologien gegeneinander antreten zu lassen, nämlich Wi-Fi und Stromleitungsnetzwerk.

Da ich bereits ein drahtloses 802.11g-Netzwerk zu Hause habe, schaffte ich einfach einen Wireless LAN Adapter für Xbox 360 an. Dieses raffinierte kleine Ding, das ungefähr so groß ist wie ein Packung Kaugummi, wird in den USB-Anschluss (Universal Serial Bus) der Xbox 360 eingesteckt und unterstützt die drei beliebtesten Varianten von Wi-Fi, nämlich 802.11a, 802.11b und 802.11g.

Außerdem kaufte ich zwei Powerline-Netzwerkadapter von Linksys.

Ich finde es schade, dass man über Stromleitungsnetzwerke so wenig hört, denn meiner Meinung nach ist das eine saubere Lösung für das Netzwerkdilemma. Steckdosen hat schließlich jeder. Der neueste Standard für Stromleitungsnetzwerke, Home Plug AV, soll zuverlässiger sein als seine Vorgänger und kann theoretisch bis zu 200 Megabits pro Sekunde (Mbps) erreichen. Das ist ungefähr das Vierfache der Maximalgeschwindigkeit meines 802.11g-Netzwerks.

Anders als bei Wi-Fi schien auch die Einrichtung kinderleicht: Laut Linksys musste ich lediglich diese kleinen Kästchen in Steckdosen in der Nähe der zu verbindenden Geräte einstecken, ein Ethernet-Kabel anschließen, ein bisschen Software auf dem PC installieren, und schon sollte es losgehen können.

Einrichten des Extenders

Als ich meine Xbox 360 ins Netzwerk eingebunden hatte, war es an der Zeit, ihre Verwandlung von der Spielekonsole zur Multimedia-Jukebox zu vollziehen.

Im Hauptmenü der Xbox klickte ich auf die Registerkarte Medien und wählte dann Media Center aus. Dann wurde ich gefragt, ob ich eine Verbindung mit einem Computer mit Windows Media Center herstellen wollte. Ich wählte Weiter aus und wartete dann, bis die Xbox meinen PC gefunden hatte. Anschließend wurde auf der Xbox ein achtstelliger Setup-Schlüssel angezeigt. Diesen notierte ich, weil mir klar war, dass ich ihn später brauchen würde.

Danach begab ich mich in mein Heimbüro und startete Windows Media Center. Auf dem Bildschirm Start führte ich einen Bildlauf zu Aufgaben durch und klickte anschließend auf Extender hinzufügen. Ich wurde zur Eingabe des Setup-Schlüssels der Xbox aufgefordert. Ich gab ihn ein und klickte auf Weiter. Dann wurde ich gefragt, ob Medien für den Extender freigegeben werden sollten. Ich wählte Ja aus und klickte dann auf Weiter. (Als plötzlich das Dialogfeld "Benutzerkontensteuerung" geöffnet wurde, in dem die Berechtigung zum Ausführen des Media Center Extenders angefordert wurde, klickte ich einfach auf Weiter.)

Seite "Setup-Schlüssel"
Vergessen Sie nicht, sich den Setup-Schlüssel zu notieren. Dieser ist unter Windows Vista zum Herstellen der Verbindung mit dem Extender erforderlich.

Media Center brauchte eine oder zwei Minuten zum Konfigurieren der Medienbibliothek. Danach klickte ich auf Fertig stellen, um das Setup abzuschließen. Am anderen Ende der Wohnung wurde auf der Xbox 360 nun der Bildschirm Start von Windows Media Center angezeigt.

Das Urteil

Ehrlich: Das war alles! Innerhalb von rund 15 Minuten hatten meine Frau und ich es uns auf dem Wohnzimmersofa bequem gemacht und strahlten, während unsere Xbox 360 die Weihnachtsfotos vom letzten Jahr auf unseren großen Plasmafernseher zauberte. Über den Wireless Controller der Xbox rief ich Kind of Blue von Miles Davis aus der Bibliothek auf meinem PC als Hintergrundmusik ab. Wunderbar.

Am Ende wurden Bilder und Musik über das Stromleitungsnetzwerk und über das drahtlose 802.11g-Netzwerk gleichermaßen nahtlos wiedergegeben. Bei Videos war die Stromleitung jedoch eindeutig überlegen, zumindest bei mir zu Hause. Als ich versuchte, ein Video meiner ehemaligen Band an meinen Xbox 360-Extender zu streamen, flackerte das Bild merklich. Außerdem war das Stromleitungsnetzwerk leichter einzurichten als ein Drahtlosnetzwerk. Hat die Stromleitung auch Nachteile? Es kann teuer werden.

Netzwerkleistungsüberwachung
Je mehr Grün Sie in der Netzwerkleistungsüberwachung sehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Xbox 360-Extender Videos und hochauflösendes Fernsehen wiedergeben kann.

Ich konnte die Leistung meines Wi-Fi-Netzwerks mithilfe der cleveren integrierten Netzwerkleistungsüberwachung des Extenders verbessern, denn dieser überprüft die Verbindung mit dem PC und bietet Unterstützung bei der Optimierung. Allerdings wurde mir durch das Tool auch klar vor Augen geführt, dass keine Optimierungsmaßnahme der Welt mein Drahtlosnetzwerk in die Lage versetzen würde, hochauflösendes Fernsehen zu bewältigen. (Morgan, der Programm-Manager bei Microsoft, hat mir erklärt, dass ein Netzwerk dafür mindestens eine Datenübertragungsrate von 22 Mbps erreichen muss.)

Neulich kündigte mein Vater telefonisch einen Besuch bei seinen Enkelkindern an. Ich vermute, dass auch er, kaum gut angekommen, Schnappschüsse und Videos sehen möchte.

Aber dieses Mal bleibt mein Bürotür geschlossen.

Informationen zum Autor

Kolumnist Michael Stroh

Michael Stroh is a writer on the Windows team at Microsoft. Before joining the company in 2007, he spent more than a decade writing about science, technology, and medicine for publications that include Popular Science, The Baltimore Sun, ESPN The Magazine, and The Los Angeles Times. His work has been cited in The Best American Science and Nature Writing.

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